Behandelte Themen:

Coronakrise, Weltwirtschaft

Die Covid-19-Pandemie wird langfristig verändern, was wir in der Wirtschaft als „Normalität“ bezeichnen. Schon vor dieser Krise hatte sich das Globalisierungsklima verändert, wie der Handelskonflikt zwischen den USA und China zeigt. Die Pandemie hat die globalen Lieferketten für Lebensmittel, Gesundheits- und Pharmaprodukte sowie die technologische Infrastruktur nun auf die Probe gestellt. Diesen Bereichen dürfte in Zukunft eine größere Bedeutung für die nationale Sicherheit beigemessen werden. Für private wie institutionelle Anleger verändert sich dadurch auch das Marktumfeld.

Auswirkungen auf die Dividendenstrategien

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Die strukturelle Nachfrage nach Rendite wächst

Die massiv angestiegenen Staatsschulden müssen irgendwann auch wieder abgebaut werden. Gleichzeitig altert die Bevölkerung in den meisten Industriestaaten und die Ruhestandsphase wird länger. Unter Umständen müssen Menschen ihre Altersvorsorge daher selbst in die Hand nehmen. Eine solche Vorsorge ist oft nur mit einer renditetragenden Geldanlage erfolgreich. Denn die Zinsen dürften noch auf lange Zeit nahe null bleiben. Dividendenrenditen sind in dieser Situation besonders attraktiv. Eine steigende Inflation könnte wachsende Dividenden zudem attraktiver machen als festgeschriebene Anleihekupons.

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Quelle: Oben: IWF, Mai 2020. Unten: United Nations World Population Prospects 2019.

Chancen am Markt für festverzinsliche Papiere

Die Liquidität und das Bewertungsniveau am Kreditmarkt haben positiv auf die massiven Eingriffe von Staaten und Zentralbanken reagiert. Dennoch verharren die Renditen von Staatsanleihen aus Industrieländern nahe ihrem historischen Tiefpunkt. Weltweit haben sich die Kredit-Spreads deutlich erholt, während sich für Anleiheemittenten Liquidität und Marktzugang entspannt haben. Nach dieser jüngsten Rally reflektieren die Bewertungen eine optimistische Einschätzung der weiteren Konjunkturentwicklung, so dass Anleger vorsichtig und wählerisch sein sollten.

Auswirkungen auf den High-Yield-Markt

Wir glauben, dass Teile des High-Yield-Markts langfristig attraktive risikobereinigte Renditen bieten und das erhöhte Ausfallsrisiko dadurch kompensieren – auch wenn die Volatilität im Verlauf der Krise weiter hoch bleibt. In den kommenden Monaten wird es noch einige Herabstufungen der Bonitätsnoten geben. Ratingagenturen hinken dabei den Ereignissen häufig hinterher. Gerade unter den „Fallen Angels”, frisch in den spekulativen Bereich herabgestufte Emittenten, gibt es attraktive Chancen. Denn einige werden entweder ihre Schulden abbauen und in den Investment-Grade-Bereich zurückkehren oder vom Kauf mit „BB“ bewerteter Papiere durch die Zentralbank profitieren.
 

Kompensieren die Spreads die erhöhten Ausfallquoten? In einigen Fällen ja: Solide und defensive Branchen dürften die Gewinner sein

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Quelle: Linke Grafik: Fidelity International, Mai 2020. Ein Umfeld steigender Ausfallquoten wird definiert als ein solches, wo die Quoten auf Zwölfmonatsbasis um mehr als ein Prozent gestiegen sind. Rechte Grafik: ICE BofAML HY LTM Distress Ratio, 29. Mai 2020.

Einzelne Regionen werden sich zunehmend auseinanderentwickeln, je nachdem, wie sie die Pandemie verarbeiten. In der erfolgreichen Einschätzung des Erholungsverlaufs dieser Regionen steckt daher eine Anlagechance. Langfristige demografische Trends bleiben dabei ein vorhersehbarer Faktor für den Erfolg einer Anlagestrategie. Länder mit einer jungen Bevölkerung und einer wachsenden Mittelschicht werden von einem starken Konsum profitieren, zuerst im Technologie- und später auch im Freizeit- und Reisesegment. Länder mit einer alternden Bevölkerung werden vor allem im Bereich Gesundheit und Technologie Stärke zeigen. Eine stärkere Regulierung bestimmter Branchen könnte die Gewinne zwar belasten, sie dürfte jedoch auch zu stabileren Gewinnen und Cashflows führen und so womöglich den Bewertungen zugutekommen.

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