Der ETF-Markt wächst und entwickelt sich weiter. Neben klassischen Index-ETFs gewinnen neue Konzepte und aktive ETFs an Bedeutung. Für Anlegerinnen und Anleger wird es dadurch wichtiger, die Unterschiede zu verstehen.
Vielleicht erinnern Sie sich noch: Lange Zeit war die ETF-Welt vergleichsweise einfach - ein Fonds bildete einen bekannten Index nach - die Kosten waren niedrig - die Produktauswahl überschaubar. Doch mit Wachstum des Marktes hat sich dieses Bild grundlegend verändert.
Der erste ETF startete am 22. Januar 1993 mit der Nachbildung des S&P 500. Heute umfasst der Markt deutlich mehr als klassische Indexfonds. Anlegende finden inzwischen eine große Bandbreite an ETF-Lösungen: von breit diversifizierten Marktindizes über thematische und nachhaltige Strategien bis hin zu sogenannten aktiven ETFs.
Damit wächst auch die Komplexität. Wer heute in ETFs investiert, entscheidet nicht mehr allein über die Kosten eines Produkts: Indexmethodik, Anlagestrategie, Liquidität und Handelsbedingungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle1.
Ein Markt von europäischer Spitzenrelevanz
Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren zum größten ETF-Markt Europas entwickelt. Nach Angaben des Branchenverbands BVI hielten deutsche Anleger zum Jahreswechsel 2025 / 2026 ETF-Bestände im Wert von fast 600 Milliarden Euro.
Besonders bemerkenswert ist das Wachstum: Laut Clearstream stieg das ETF-Vermögen deutscher Anleger innerhalb von fünf Jahren von 240 Milliarden Euro Ende 2020 auf 590 Milliarden Euro Ende 2025. Das entspricht einem Anstieg von 145 Prozent. Zum Vergleich: Das Vermögen klassischer Publikumsfonds wuchs im selben Zeitraum um 34 Prozent2. Die Grafik veranschaulicht die Größenordnung des ETF-Marktes und seine dynamische Entwicklung:
Quelle: BVI, 10.08.2026 / Laut Zahlen des Branchenverbandes BVI entfielen zum Ende des erste Halbjahres 2026 allein auf Aktien-ETFs 496 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anteil am Vermögen der Aktienfonds von 45 Prozent. Mit dem Wachstum des Marktes wächst auch die Vielfalt der Produkte. Besonders deutlich zeigt sich das am Beispiel der „aktiven ETFs“.
Der Aufstieg der aktiven ETFs
Im Unterschied zu klassischen ETFs folgt ein aktiver ETF nicht strikt einem Index. Stattdessen treffen Fondsmanager aktive Anlageentscheidungen innerhalb eines transparenten ETF-Mantels. Ziel ist es, das Portfolio flexibel an Marktbedingungen anzupassen oder bestimmte Anlageschwerpunkte gezielt umzusetzen.
Bislang spielen aktive ETFs im europäischen UCITS-Markt gemessen am Gesamtvolumen noch eine vergleichsweise kleine Rolle. Zur Jahresmitte 2026 verwalteten sie rund 106 Milliarden Euro und machten weniger als vier Prozent des gesamten ETF-Marktes aus. Gleichzeitig zählt dieses Segment zu den wachstumsstärksten Bereichen der Branche.
Ein Grund dafür liegt im Anlegerinteresse an unterschiedlichen Anlageansätzen. Neben möglichst kostengünstigen Indexlösungen gewinnen Strategien an Bedeutung, die zusätzliche Flexibilität oder besondere Schwerpunkte bieten3. Heißt: Der Markt verändert sich.
PFOF-Verbot: Das Ende der „Null-Euro-Ära“
Kurze Info am Rande: Nicht nur neue Produkte und Strategien verändern den ETF-Markt. Auch regulatorische Entwicklungen beeinflussen die Rahmenbedingungen. Seit dem 1. Juli 2026 gilt das Verbot von Payment for Order Flow (PFOF)4 auch für deutsche Anbieter. Dadurch können Themen wie Handelskosten, Liquidität und Preisstellung für Anlegerinnen und Anleger noch stärker in den Fokus rücken5.
Fazit
Der ETF-Markt ist in eine weitere Entwicklungsphase eingetreten. Die Zeit, in der ein ETF vor allem über niedrige Kosten definiert wurde, ist so gut wie vorbei.
Heute stehen Anlegende vor einer deutlich größeren Auswahl an Strategien und Produktarten. Gleichzeitig verändern regulatorische Vorgaben die Rahmenbedingungen des Handels.
Für Anlegerinnen und Anleger wird es deshalb wichtiger, ETFs nicht ausschließlich nach Kosten auszuwählen. Ebenso relevant sind Faktoren wie Anlageziel, Indexkonzept, Risikoprofil, Liquidität und Handelsbedingungen. Wer das berücksichtigt, kann die wachsende Vielfalt des ETF-Marktes mittelfristig besser einordnen.
Quelle
1 Quelle: PwC „Deutschlands PFOF-Verbot ist nun vollständig in Kraft“ vom 28.07.2026 (https://legal.pwc.de/de/news/fachbeitraege/deutschlands-pfof-verbot-ist-nun-vollstaendig-in-kraft)
2 Quelle: BVI.de: BVI Jahrbuch 2026
3 Quelle: BVI.de: BVI Jahrbuch 2026
4 Quelle: Presseportal.de, 02/03/2026: Neobroker und ETF-Bestandsprovisionen: Steht das strategische Selbstverständnis auf dem Spiel?
5 Quelle: PwC „Deutschlands PFOF-Verbot ist nun vollständig in Kraft“ vom 28.07.2026 (https://legal.pwc.de/de/news/fachbeitraege/deutschlands-pfof-verbot-ist-nun-vollstaendig-in-kraft)
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