Klingt prima: Chefin oder Chef zahlen bei der Vorsorge mit. Doch wie gut passt die betriebliche Altersvorsorge tatsächlich zum eigenen Leben? Gerade bei Teilzeit, Kindererziehung oder Jobwechsel braucht es mehr als nur einen Vorsorge-Baustein.
„Dein Arbeitgeber gibt dir Geld dazu. Ist doch top!“ Für viele klingt die betriebliche Altersvorsorge - kurz bAV - nach einer runden Sache. Gleichzeitig passt die bAV nicht immer zu jedem Lebensmodell. Besonders Frauen mit Teilzeitphasen, Elternzeiten oder Arbeitgeberwechseln schauen hier bei den persönlichen Vorsorgezielen genauer hin.
Reicht die bAV heute noch aus?
Die betriebliche Altersvorsorge kann sinnvoll sein - sie ist aber meist ein Baustein und nicht das ganze Vorsorgepaket. Die betriebliche Altersvorsorge ergänzt die gesetzliche Rente über den Arbeitgeber. Stichwort hier: Arbeitgeberzuschuss. Ein Beispiel:
Grafik-Info: Zu einer monatlichen Entgeltumwandlung von 100 Euro kann ein Arbeitgeberzuschuss von 15 Euro hinzukommen. Damit würden über 20 Jahre zusätzlich 3.600 Euro vom Arbeitgeber und insgesamt 27.600 Euro in die betriebliche Altersvorsorge fließen. Wichtig: Die Angaben in der Beispielrechnung dienen der Veranschaulichung und berücksichtigen keine Wertentwicklung sowie keine individuellen steuerlichen oder sozialversicherungsrechtlichen Effekte.
Übrigens: 3.600 Euro reiner Arbeitgeberzuschuss - das klingt erst einmal wenig. Aber: Der Hebel entsteht zusätzlich durch:
- Steuervorteile in der Ansparphase. Heißt: Beiträge aus dem Bruttogehalt können das aktuell zu versteuernde Einkommen senken.
- Geringere Sozialabgaben. Heißt: Durch die Entgeltumwandlung können die Sozialabgaben sinken. Gleichzeitig können dadurch die Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung etwas niedriger ausfallen.
Wichtig: Die spätere Betriebsrente wird im Ruhestand grundsätzlich versteuert. Zusätzlich können Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung anfallen. Wie viel Sparwirkung eine bAV tatsächlich hat, hängt vom individuellen Lebenslauf ab.
Genau hier liegt ein entscheidender Punkt: Die Vorteile der bAV entfalten ihre Wirkung vor allem dann, wenn regelmäßig Beiträge fließen. Für viele Familien verläuft das Berufsleben jedoch nicht geradlinig.
Warum Teilzeit die Betriebsrente stark beeinflusst
Die Höhe der bAV ist meist an Einkommen und an die Dauer der Beschäftigung gekoppelt. Heißt: Wer in Teilzeit arbeitet, zahlt in der Regel geringere Beiträge ein. Dadurch fällt später oft auch die Betriebsrente niedriger aus.
Die Statistik sagt dazu: Frauen in Deutschland arbeiten weiterhin deutlich häufiger in Teilzeit als Männer. Die Teilzeitquote bei Frauen liegt bei etwa 49 Prozent, bei Männern sind es rund 12 Prozent1. Statistisch zeigt sich das auch bei jungen Eltern: Mütter arbeiten noch immer deutlich häufiger in Teilzeit als Väter. Folge: Frauen übernehmen nach wie vor öfter Care-Arbeit und unterbrechen ihre Erwerbsbiografie öfter.
Mit Folgen auf die Höhe der betrieblichen Altersvorsorge. Ein Rechenbeispiel dazu: Nehmen wir Ida. Ida ist 32 Jahre jung und wird zum ersten Mal Mutter. Ida hat zuvor Vollzeit gearbeitet und im Schnitt 4.000 Euro / brutto im Monat verdient Sie reduziert nun ihre Arbeitszeit für insgesamt sieben Jahre von 100 % auf 60 %. Ida verdient nun wesentlich weniger - nämlich nur noch 2.400 Euro / brutto monatlich. Und das hat Auswirkungen auf die bAV, wie die folgende Beispielrechnung als Annahme zeigt.
Hinweis zur Beispielrechnung: Bei sieben Jahren Vollzeit werden insgesamt 9.660 Euro in die betriebliche Altersversorgung (bAV) eingezahlt. Bei einem Jahr Elternzeit ohne Beiträge und anschließend sechs Jahren Teilzeit sind es 4.968 Euro. Das sind 4.692 Euro weniger eingezahlte Beiträge. Die Berechnung dient ausschließlich der Veranschaulichung. Die tatsächliche Höhe der Beiträge, der Arbeitgeberzuschüsse sowie der späteren Leistungen aus der bAV richtet sich nach den Regelungen des Arbeitgebers und den Bedingungen des jeweiligen Vertrags.
Heißt für Ida: Teilzeit und Erwerbspausen können dazu führen, dass weniger Geld in die betriebliche Altersvorsorge fließt. Dadurch kann die spätere Betriebsrente niedriger ausfallen. Diese Lebensrealität wirkt sich in Euro gedacht direkt auf die Altersvorsorge aus.
Gleichzeitig bietet die betriebliche Altersvorsorge Vorteile wie mögliche Arbeitgeberbeiträge sowie steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Förderungen in der Ansparphase - wie weiter oben beschrieben.
Warum flexible Vorsorgebausteine wichtiger werden
Generell gilt: Die betriebliche Altersvorsorge bleibt ein sinnvoller Bestandteil der Altersvorsorge. Allerdings: Teilzeit, Care-Arbeit und unterbrochene Erwerbsbiografien - für viele junge Familien ist das eine Herausforderung.
Daraus ergibt sich eine naheliegende Frage: Welche Vorsorgebausteine bleiben auch dann flexibel, wenn sich Arbeitszeit, Arbeitgeber oder Familiensituation verändern?
Kapitalmarktbasierte Depotlösungen - das gesetzlich beschlossene Altersvorsorgedepot, dessen Produkte ab 2027 verfügbar sein sollen - können je nach individueller Situation eine mögliche Ergänzung sein. Warum? Weil sie grundsätzlich nicht an einen bestimmten Arbeitgeber gebunden sind.
- Beiträge lassen sich flexibler anpassen
- Jobwechsel beeinflussen den Vertrag nicht direkt
- Vorsorge bleibt transparenter nachvollziehbar
- Kapitalmarktbasierte Anlagen können langfristig höhere Renditechancen bieten, unterliegen jedoch Wertschwankungen bis hin zum Verlust eingesetzten Kapitals.
Die Frage lautet am Ende nicht „bAV oder Altersvorsorgedepot?“. Die Antwort ist vielleicht eher die Kombination verschiedener Bausteine.
Fazit
Die betriebliche Altersvorsorge kann ein sinnvoller Baustein für den Ruhestand sein - vor allem dann, wenn Beschäftigungsverhältnisse stabil sind und der Arbeitgeber regelmäßig Beiträge leistet. Gleichzeitig zeigt sich: Auch in modernen Erwerbsbiografien mit Teilzeitphasen, Elternzeiten oder Jobwechseln entfaltet die bAV nicht immer die gleiche Wirkung.
Entscheidend ist am Ende weniger die pauschale Bewertung der bAV (gut / schlecht?) - sondern die Frage, ob sie zur eigenen Lebensrealität passt. Heißt: Eine breiter aufgestellte Altersvorsorge kann dabei helfen, unterschiedliche Lebensphasen besser aufzufangen.
1Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis) vom 19.05.2025 (https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/05/PD25_175_13.html)
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