Die gesetzliche Rente steht vor Herausforderungen: steigende Preise, weniger Beitragszahler und pausierte Erwerbsbiografien. Das geht zu Lasten der eigenen Vorsorge. Wie groß sind die Lücken 2035 - und was bleibt dann von der Rente übrig?

Was ist im Jahr 2035 eine Monatsrente von 1.150 Euro noch wert?

Vielleicht stellen Sie sich jetzt auch gerade die Frage, ob eine Altersrente von 1.150 Euro in einigen Jahren überhaupt noch ausreicht.1

Welchen Einfluss können Inflation, demografischer Wandel und Care-Arbeit auf Ihre persönliche Vorsorgesituation in zehn oder 15 Jahren haben? Schauen wir in diesem Artikel auf genau drei zentrale Faktoren.

Faktor 1: Inflation

Steigen Preise über längere Zeiträume, sinkt die Kaufkraft des Geldes. Entscheidend ist deshalb nicht nur, welcher Betrag später auf Ihrem Konto liegt, sondern auch, was sich davon tatsächlich bezahlen lässt (siehe Grafik).

Inflation

Grafik-Info: Bei einer unterstellten durchschnittlichen Inflationsrate von zwei Prozent pro Jahr entspräche die Kaufkraft von 1.150 Euro im Jahr 2035 rechnerisch nur noch rund 962 Euro. Im Jahr 2040 wären es etwa 871 Euro. Die Angaben stellen keine Prognose dar, sondern eine Modellrechnung auf Basis einer konstanten Inflationsrate von zwei Prozent.2

Das Beispiel zeigt selbst als Annahme recht klar: Für die finanzielle Planung im Alter spielt nicht nur die Höhe der Rente eine Rolle, sondern auch deren Kaufkraft. Hinzu kommt: Die gesetzliche Rente steht mehr denn je vor strukturellen Herausforderungen.

Faktor 2: Demografischer Wandel

In Deutschland erreicht die geburtenstarke Babyboomer-Generation schrittweise das Rentenalter. Dadurch verändert sich das Verhältnis zwischen Beitragszahlenden und Rentenempfängerinnen bzw. Rentenempfängern. Viele Fachleute sehen darin eine langfristige Herausforderung für das umlagefinanzierte Rentensystem.

Für einzelne Haushalte kann dadurch die Frage wichtiger werden, ob die vorhandenen Alterseinkünfte den persönlichen Finanzbedarf dauerhaft decken.

demographic

Grafik-Info: Infografik zu drei Vorsorgebegriffen: Rentenlücke (Einkommen vor und nach Rentenbeginn), Versorgungslücke (gewünschter Finanzbedarf versus verfügbare Alterseinkünfte) und Gender Pension Gap (Unterschied der Alterseinkünfte von Frauen und Männern). Die Grafik zeigt, dass die Begriffe unterschiedliche Bedeutungen haben.

Für viele Menschen stellt sich deshalb die Frage, ob die späteren Alterseinkünfte ausreichen werden, um die laufenden Ausgaben zu decken.

Eine mögliche Versorgungslücke entsteht dann, wenn regelmäßige Einnahmen im Alter hinter dem individuellen Finanzbedarf zurückbleiben. Zu den typischen Ausgaben zählen unter anderem:

  • Miete oder Wohnkosten
  • Lebensmittel
  • Energie
  • Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge
  • Mobilität
  • Gesundheit
  • Rücklagen für Reparaturen

Wie groß eine mögliche Versorgungslücke ausfällt, hängt immer von der persönlichen Situation ab. Einfluss haben unter anderem Einkommen, Erwerbsverlauf, Ausgaben und bestehende Vorsorgelösungen.

Gerade deshalb lohnt sich ein Blick auf Faktoren, die den langfristigen Vermögens- und Vorsorgeaufbau beeinflussen können.3

Faktor 3: Teilzeit und Care-Arbeit

Unser Rentensystem orientiert sich in der Regel an Erwerbseinkommen und Versicherungszeiten. Wer über längere Zeiträume weniger arbeitet oder Erwerbsphasen unterbricht, kann dadurch geringere Ansprüche in der gesetzlichen Rente und weniger Spielraum für zusätzlichen Vermögensaufbau haben. Davon sind Frauen weiterhin überdurchschnittlich häufig betroffen. Wie das?

  • Fakt 1: Frauen leisten nach aktuellen Daten durchschnittlich rund 29 Stunden unbezahlte Care-Arbeit pro Woche. Bei Männern sind es knapp 20 Stunden. Der Gender Care Gap liegt bei 43,4 Prozent.4
  • Fakt 2: Fast jede zweite erwerbstätige Frau arbeitet in Teilzeit (49 Prozent), bei Männern sind es rund 12 Prozent.5

Ein typisches Beispiel: Viele Eltern reduzieren nach der Geburt eines Kindes zeitweise ihre Arbeitszeit. Was kurzfristig den Familienalltag erleichtern kann, beeinflusst unter Umständen auch die langfristige Vorsorgesituation.

Lebensentscheidung direkter Effekt Langzeiteffekt
Elternzeit zeitweise Erwerbsunterbrechung geringere Einzahlungen in die Altersvorsorge
Teilzeit niedrigeres Erwerbseinkommen geringerer Vermögensaufbau
Pflege von Angehörigen weniger Spielraum zu sparen geringerer Kapitalaufbau

Hinweis: Gesetzliche Anrechnungszeiten, beispielsweise für Kindererziehung oder Pflege, können Auswirkungen teilweise abfedern.

Heißt: Reduzieren Menschen über längere Zeit ihre Erwerbstätigkeit, können sich Unterschiede beim Vorsorgeaufbau über viele Jahre anhäufen. Mehr dazu lesen Sie hier!

Die ersten Schritte zählen

Die gute Nachricht: Vorsorge beginnt nicht mit einer perfekten Strategie, sondern mit einem klaren Überblick über die eigene Situation. Der wichtigste erste Schritt ist deshalb nicht Perfektion bei der Vorsorgeplanung, sondern Orientierung. 

kurzcheck

Beschäftigen Sie sich möglichst früh mit diesen Themen, gewinnen Sie vor allem eines: Zeit.

Und Zeit kann zusätzliche Handlungsspielräume schaffen: Je früher Sie sich Ihrer eigenen Situation bewusst werden, desto besser lassen sich unterschiedliche Vorsorgebausteine einordnen und miteinander kombinieren.

Das geplante Altersvorsorgedepot im Überblick

Wer eine mögliche Versorgungslücke erkennt, kann prüfen, welche Vorsorgelösungen zur persönlichen Situation passen. Dazu können beispielsweise betriebliche Altersversorgung, private Vorsorgeprodukte oder staatlich geförderte Lösungen gehören.

Mit dem geplanten Altersvorsorgedepot soll ab 2027 eine weitere Form der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge zur Verfügung stehen. Die konkrete Ausgestaltung wird sich sicherlich bis zur Einführung noch weiterentwickeln.

Das geplante Altersvorsorgedepot soll mehr Flexibilität ermöglichen. Je nach Lebenssituation kann dies für unterschiedliche Personengruppen interessant sein, etwa für Menschen mit wechselnden Erwerbsverläufen oder Familienphasen.

Hier können Sie sich viele weitere Infos zum Altersvorsorgedepot auf den Bildschirm holen.

Fazit

Die gesetzliche Rente bleibt ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge. Gleichzeitig können Inflation, demografischer Wandel, Teilzeit und Care-Arbeit die individuelle Vorsorgesituation beeinflussen.

Für viele Menschen kann zusätzliche private Vorsorge daher ein ergänzender Bestandteil ihrer persönlichen Altersvorsorgestrategie sein. Nicht als Ersatz für die gesetzliche Rente, sondern als weiterer Baustein.

Entscheidend ist, die eigene Versorgungssituation möglichst frühzeitig sichtbar zu machen. Das kann helfen, finanzielle Handlungsspielräume für die Zukunft besser einzuordnen.

Quelle:

1 Hinweis: Je nach Datenbasis liegen viele gesetzliche Altersrenten deutlich unter dem letzten Erwerbseinkommen. Für das Rechenbeispiel verwenden wir eine monatliche Altersrente von 1.150 Euro. Tatsächliche Rentenhöhen unterscheiden sich je nach Erwerbsbiografie deutlich.
2 Quelle Deutsche Bundesbank Inflations- und Deflationsrechner (Stand Juni 2026): https://www.bundesbank.de/de/service/schule-und-bildung/interaktive-angebote/inflations-und-deflationsrechner-614162
3 Quelle Destatis (Stand 2026): https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Gleichstellungsindikatoren/gender-pension-gap-f33.html
4 Quelle Destatis (Stand 2025): https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Gleichstellungsindikatoren/gender-care-gap-f33.html
5 Quelle Destatis (Stand 2025): https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/05/PD25_175_13.html

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