Teilzeit oder Care-Arbeit gehören für viele Familien zum Alltag - und können sich über Jahre auf die spätere Rente auswirken. Gerade für Frauen entsteht so oft eine spürbare Versorgungslücke. Was Sie heute schon für mehr Vorsorge tun können…
Viele Paare starten den Run als Familie nach bewährtem Muster: Hochzeit, Geburt, neuer Alltag. Und der verlangt dann für einige Jahre mehr Zeit für Kinder und weniger Arbeitsstunden. Spätestens ab hier übernehmen häufig Frauen den größeren Anteil der Care-Arbeit.
Besonders interessant ist dabei ein psychologischer Effekt: Viele Paare vergleichen ihre aktuelle Situation mit dem unmittelbaren Umfeld. Was im Freundes- oder Bekanntenkreis üblich ist, wird oft als normal wahrgenommen. Auch wenn damit langfristige (Vorsorge)Risiken verbunden sind. Finanziell zeigen sich die Folgen dieses psychologischen Effekts erst viel später. Dann, wenn der Blick auf die eigene Altersvorsorge fällt.1
Hinzu kommt: Frauen leben hierzulande im Schnitt 4 - 5 Jahre länger als Männer, haben aber weniger Geld. Ihre Ersparnisse müssen also länger reichen. Und und und…
Zwei Jahre Elternzeit wirken länger nach, als viele denken
Und so sind insbesondere Frauen noch immer von erheblichen Altersvorsorge-Lücken betroffen. Der sogenannte „Gender Pension Gap“ - also der Unterschied bei den Alterseinkommen von Männern und Frauen - liegt in Deutschland weiterhin auf hohem Niveau.
Info zur Grafik: Frauen erhalten im Alter deutlich weniger Einkommen als Männer. In Deutschland lag das durchschnittliche jährliche Alterseinkommen von Frauen zuletzt bei 21.760 €, während Männer auf 28.719 € kamen. Damit fällt das Alterseinkommen von Frauen um 24,2 % niedriger aus. Das zeigt eine Auswertung des Statistischen Bundesamts zum sogenannten Gender Pension Gap. Quelle: Statista / Destatis2
Die Gründe für diesen Gap: unbezahlte Care-Arbeit, Teilzeit, Erwerbsunterbrechungen und niedrigere Einkommen.
Erwerbsunterbrechungen mit Folge - ein Rechenbeispiel
Erwerbsjahre sind das A und O für die gesetzliche Rente. Die basiert auf Entgeltpunkten. Das vorläufige Durchschnittsentgelt liegt 2026 in Deutschland bei 51.944 Euro - wer so viel verdient, bekommt 1,0 Entgeltpunkt.
Der aktuelle Rentenwert liegt bis Ende Juni 2026 noch bei 40,79 Euro. Ab 1. Juli 2026 steigt der Rentenwert dann auf 42,52 Euro pro Entgeltpunkt. Blicken wir dazu auf eine vereinfachte Modellrechnung Vollzeit vs. Teilzeitphase…4
Kontext zur Grafik: Annahme Szenario 1: Durchgehend Vollzeitarbeit (35 Jahre). Bruttojahresgehalt: 50.000 Euro = 0,9626 Entgeltpunkte (EP). Nach 35 Jahren: 33,6901 EP. Vereinfachte Rechnung: 33,7 EP × 42,52 Euro = 1.432,92 Euro. Annahme Szenario 2: Elternzeit (2 Jahre) + lange Teilzeitphase (15 Jahre). Danach Rückkehr in Vollzeit. Vollzeitjahre: 18 Jahre × 0,96 EP = ca. 17,3 Punkte. Teilzeitjahre: 15 Jahre × 0,72 EP = ca. 10,8 Punkte. Elternzeit: ca. 2 Punkte aus Kindererziehungszeiten. Gesamt (aufgerundet): 30 EP. Vereinfachte Rechnung: 30 EP × 42,52 Euro = 1.275,60 Euro.
Die Grafik zeigt eine stark vereinfachte Modellrechnung. Nicht berücksichtigt wurden u.a. betriebliche Altersvorsorge, private Rücklagen, Renditeeffekte durch spätere Vorsorge, Inflation und Kaufkraftverlust.
Die Differenz zwischen beiden Erwerbsbiografien liegt in diesem sehr vereinfachten Beispiel
- rund 160 Euro weniger gesetzlicher Rente (Brutto) pro Monat
- über einen Ruhestand von 20 Jahren summiert sich das auf etwa 38.000 Euro
Die Rentenlücke kann also enorm ausfallen. Die gute Nachricht: Sie ist messbar.
Kleine Schritte können langfristig viel verändern
Und was messbar ist, lässt sich oft beeinflussen. Nicht jede Familie kann sofort hohe Summen zurücklegen. Wichtiger ist es, den Überblick zu behalten - und eine Checkliste anzulegen…
Idealerweise ist das Thema Altersvorsorge innerhalb der Familie kein Randthema. Denn: Entscheidungen über Arbeitszeit, Elternzeit oder Karrierepausen haben langfristige finanzielle Folgen für beide Partner - und in ganz besonderem Maße noch immer für Frauen. Es geht bei der Vorsorge-Planung nicht um Perfektion. Sondern um Transparenz.
Fazit: Die Rentenlücke entsteht im Alltag…
…und genau dort beginnt vielleicht auch die Lösung. Teilzeit und Care-Arbeit sind für viele Familien und Frauen kein Ausnahmefall, sondern Realität. Gerade deshalb lohnt sich der frühe Blick auf die langfristigen Folgen.
Quellen
1 Quellen Handelsblatt (Stand Juni 2026): https://www.handelsblatt.com/finanzen/friendflation-wenn-geld-zum-problem-in-freundschaften-wird-01/100154689.html und Business Insider (Stand 2020): https://www.businessinsider.de/wissenschaft/studie-eure-freunde-bringen-euch-unbewusst-dazu-schlechte-finanzentscheidungen-zu-treffen-2019-7/
2 Quellen: Destatis & Statista (Stand Juni 2026): https://de.statista.com/infografik/35938/jaehrlichen-alterssicherungseinkommen-von-frauen-und-maennern-ab-65-jahren-in-deutschland/
3 Quellen Statistisches Bundesamt / Destatis (Stand 2026): https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Gleichstellungsindikatoren/gender-pension-gap-f33.html und Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut / WSI (Stand 2024): https://www.wsi.de/de/einkommen-14619-gender-pension-gap-bei-eigenen-alterssicherungsleistungen-14920.htm
4 Hinweis: Ab 1. Juli 2026 steigt der Rentenwert auf 42,52 Euro pro Entgeltpunkt (Rentenanpassung +4,24 %). Quelle BMAS (April 2026): https://www.bmas.de/DE/Service/Presse/Pressemitteilungen/2026/bundeskabinett-beschliesst-rentenanpassung-2026.html
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