„Künstliche Intelligenz findet nur im Silicon Valley statt“? Nein. KI wird zwar oft mit US‑Tech verbunden. Aber: Infrastruktur und Technik für KI entstehen außerhalb der USA. Schwellenländer holen stark auf.

In den vergangenen Jahren prägten vor allem US‑Technologiewerte viele Portfolios. Vielleicht auch Ihres. Namen wie Nvidia, Alphabet oder Apple stehen für Wachstum rund um KI. Das hat Gründe: Die USA entwickeln zentrale Software und führende KI‑Modelle.

Doch immer öfter fällt auf: KI (im weitesten Sinne) entsteht entlang einer globalen Wertschöpfungskette. Und viele entscheidende Bausteine liegen außerhalb der USA. Dazu zählen Chips, Speicher, Energie und Rechenzentren. Genau hier können Schwellenländer international Punkte machen.

Asien: das Fundament der KI‑Infrastruktur

Wenn es um die Hardware für KI geht, führt kein Weg an Asien vorbei. Taiwan spielt dabei eine Schlüsselrolle. Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) fertigt einen Großteil der Hochleistungschips, die weltweit für KI‑Anwendungen benötigt werden. Ohne diese Chips ließen sich moderne KI‑Modelle kaum betreiben.

Südkorea ist ein weiteres Beispiel. Der Aktienindex KOSPI wird maßgeblich von Samsung Electronics und SK Hynix geprägt. Beide Unternehmen sind zentrale Lieferanten für die globale KI‑Infrastruktur. SK Hynix ist führend bei speziellen Speicherchips für KI‑Server.

Samsung setzt auf Speicher, Chip‑Fertigung und eigene Anwendungen. Zusammen machen diese beiden Unternehmen rund 40 Prozent der Marktkapitalisierung des KOSPI aus.

Bloß China verfolgt einen eigenen Weg. Trotz Handelsbeschränkungen haben Unternehmen wie Alibaba und Baidu produktive, großflächige KI Systeme aufgebaut, die im heimischen Markt hundertmillionenfach eingesetzt werden. Sie entwickeln Sprachmodelle und autonome Systeme für den heimischen Markt. 

Energie und Rechenzentren: neue Schwerpunkte außerhalb Asiens

Neben Chips brauchen KI-Anwendungen vor allem eines: Energie und Rechenleistung. Brasilien profitiert von einem Strommix, der zu rund 90 Prozent aus erneuerbaren Energien besteht. Das ist ein Vorteil für energieintensive Rechenzentren.

Saudi‑Arabien investiert gezielt in digitale Infrastruktur. Für die „Vision 2030“ werden perspektivisch rund 15 Mrd. US‑Dollar in Rechenzentren, Cloud‑Kapazitäten und IT‑Netze fließen. Das Ziel: ein regionaler Knotenpunkt für Datenverarbeitung zu werden.

Größe ist nicht alles: Marktkapitalisierung im Vergleich

Trotz ihrer strategischen Bedeutung sind viele Unternehmen außerhalb der USA an der Börse deutlich niedriger bewertet als US‑Tech‑Riesen selbst. Während einzelne US‑Konzerne Marktkapitalisierungen von über drei Billionen US‑Dollar erreichen, liegt TSMC deutlich darunter.

marktkapitalisierung

Quelle: Table.Briefing, 18. März 2026: „So grundlegend verändert KI das Geschäftsmodell von SAP“ / Noch ist die USA in Punkto Marktkapitalisierung spitze. Heißt: Trotz ihrer strategischen Bedeutung sind viele Unternehmen außerhalb der USA an der Börse deutlich niedriger bewertet als US‑Tech‑Riesen selbst. Während einzelne US‑Konzerne Marktkapitalisierungen von über drei Billionen US‑Dollar erreichen, liegt TSMC deutlich darunter.

Indien: KI für den Massenmarkt

Indien setzt einen anderen Schwerpunkt. Das Land ist kein führender Produzent von Hochleistungschips. Es investiert dafür stark in die Anwendung von KI im Alltag.

Die Regierung kündigte zuletzt umfangreiche Infrastrukturprojekte an. Geplant sind Investitionen großer US‑amerikanischer und indischer Unternehmen in Höhe von fast 200 Mrd. US‑Dollar.

Indiens Stärke liegt in der Skalierung. KI‑Anwendungen unterstützen Millionen von Menschen: in Landwirtschaft, Verwaltung oder Personalwesen. Gleichzeitig positioniert sich das Land international als Fürsprecher einer menschenzentrierten KI.

Länder in den G20 mit der stärksten KI-Dynamik weltweit

Lander in den G20

Quellen: 2026 Stanford Human-Centered Artificial Intelligences AI Index, Global AI Vibrancy Rankings 2024 (aktuelle verfügbare Daten der G20-Länder) / Gut in der Grafik zu sehen: Indiens Stärke liegt in der Skalierung. KI‑Anwendungen unterstützen Millionen von Menschen: in Landwirtschaft, Verwaltung oder Personalwesen. Gleichzeitig positioniert sich das Land international als Fürsprecher einer menschenzentrierten KI.

Was bedeutet das für Sie?

Künstliche Intelligenz ist heute keine rein amerikanische Erfolgsgeschichte mehr. Die Wertschöpfung ist breiter verteilt. Schwellenländer übernehmen klar definierte Rollen:

Asien liefert Chips und Speicher. Andere Regionen stellen Energie und Infrastruktur. Länder wie Indien zeigen, wie KI im großen Maßstab eingesetzt werden kann.

Für Privatanlegende heißt das nicht, das jeder Trend auch eine umgehend Investment-Chance ist. Viel wichtiger: Auswahl und Verständnis bleiben entscheidend.

Fazit

Die globale KI‑Landschaft ist vielfältiger geworden. Schwellenländer sind keine Randnotiz, sondern werden zunehmend tragende Säulen der technischen und markt-orientierten Entwicklung sein. Nicht bei den Modellen selbst, sondern bei den Grundlagen: Chips, Energie, Infrastruktur und Anwendungen für unseren Alltag.

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