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Vom Hype zur Realität: Wie KI die Marktkräfte verschiebt

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Fidelity - Research team

Unternehmen investieren massiv in KI, doch nicht alle können daraus Produktivität, Margen oder nachhaltige Ertragskraft generieren. Die Spreizung wächst – und mit ihr die Bedeutung selektiven Investierens.

Die wichtigsten Punkte 

  • KI wird zum zentralen Treiber struktureller Marktveränderungen und wirkt weit über den Technologiesektor hinaus. Entscheidend wird die Fähigkeit von Unternehmen sein, KI in messbare Produktivität, Margenverbesserungen oder neue Wachstumsquellen zu übersetzen. 
  • Bewertungsniveaus, Fundamentaldaten und Ertragspotenziale driften auseinander. Chancen entstehen dort, wo KI echten ökonomischen Nutzen schafft, nicht dort, wo lediglich thematische Zuordnung besteht.
  • Weil die Unterschiede zwischen Gewinnern und Verlierern größer werden dürften, gewinnt selektives Investieren an Bedeutung.

KI ist längst mehr als ein Technologietrend

Künstliche Intelligenz verändert nicht nur einzelne Produkte, sondern ganze Geschäftsmodelle. In den USA zeigt sich das bereits an den hohen Investitionen in Rechenzentren, Halbleiter, den Energiesektor und andere Teile der Infrastruktur. Doch hohe Investitionen allein garantieren noch keinen nachhaltigen Anlageerfolg. Nach einer ersten Phase der Begeisterung rückt nun die Frage stärker in den Vordergrund, ob sich die hohen Ausgaben auch auszahlen. Für viele Unternehmen steigt damit der Druck, Ergebnisse zu liefern. Denn auf die „Fear of missing out“ der Anleger ist die „Fear of being obsolet“ gefolgt – auf FOMO folgt FOBO.

Die zentrale Frage lautet daher: Welche Unternehmen können aus KI einen belastbaren wirtschaftlichen Nutzen ziehen? Wer kann am stärksten von den möglichen Produktivitätssteigerungen profitieren (Abbildung 1)? Daraus ergeben sich drei wichtige Aspekte, die Anleger im Blick behalten sollten.

Abbildung 1: Produktivitätswachstum beschleunigt sich

1. Gewinner und Verlierer werden sichtbarer

KI beschleunigt die Auffächerung innerhalb und zwischen Branchen. Unternehmen mit:

  • robuster Datenbasis
  • klaren Use Cases
  • technologischer Umsetzungskompetenz
  • hoher Kapitalstärke können Skaleneffekte realisieren und ihre Marktposition ausbauen. Gleichzeitig geraten Geschäftsmodelle unter Druck, deren Leistungen sich leicht automatisieren lassen oder deren Differenzierungsmerkmale schwächer werden.

Der KI‑Wandel schafft somit nicht nur neue Wachstumsquellen, sondern stellt etablierte Strukturen infrage. In vielen Sektoren – von Dienstleistungen über Industrie bis Gesundheit – wird die Frage relevant, ob KI den operativen Kern stärkt oder substituiert.

2. Spreizung eröffnet Chancen – vorausgesetzt, Analyse bleibt selektiv

Mit steigenden Erwartungen gehen Bewertungsunterschiede einher. Fundamentals, Wachstumsperspektiven und Marktbewertungen driften teils deutlich auseinander. Dieses Auseinanderlaufen der Kennzahlen schafft Chancen für selektiv agierende Anleger.

Für die Analyse entscheidend ist nicht, ob ein Unternehmen „KI‑Exposure“ besitzt, sondern wie KI eingesetzt wird:

  • Wird die Technologie zur Produktivitätssteigerung genutzt?
  • Führt sie zu höheren Margen oder neuen Ertragsquellen?
  • Entsteht ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil?

In diesem Umfeld gewinnt die Fundamentalanalyse an Bedeutung. Denn der Markt belohnt nicht mehr die bloße Zugehörigkeit zum Thema KI, sondern tatsächliche Wertschöpfung.

3. KI verändert auch das makroökonomische Umfeld

Über die Mikroebene hinaus wirkt KI auf makroökonomische Trends. Dazu gehören:

Produktivität und Wachstum

Historisch betrachtet können technologische Sprünge Phasen deutlichen Produktivitätswachstums auslösen. Die Hoffnung ist, dass KI ähnlich wie die breite Computerisierung von 1995 bis 2005 zu einer strukturellen Beschleunigung führt. Erste Daten aus den USA weisen darauf hin.

Arbeitsmarkt und Konsum

KI verändert Berufsbilder, Tätigkeiten und Qualifikationsanforderungen. Dieser Wandel kann zu Übergangsfriktionen führen – inklusive Unsicherheit trotz robustem BIP‑Wachstum. Dies spiegelt sich im US‑Verbrauchervertrauen wieder: Trotz des robusten BIP-Wachstums erreichte es in den USA jüngst den niedrigsten Stand seit 12 Jahren (Abbildung 2).

Geopolitik und Lieferketten

Die USA verfügen derzeit über strukturelle Vorteile in wichtigen Teilen der KI‑Wertschöpfungskette. Doch der globale Wettbewerb nimmt zu, insbesondere bei Infrastruktur und Halbleitern. Steigender Wettbewerb könnte:

  • Den Preisdruck auf Infrastrukturanbieter erhöhen
  • Anwenderunternehmen entlasten
  • Skaleneffekte beschleunigen

Damit wirkt KI zunehmend als makroökonomischer Faktor – mit Einfluss auf Inflation, Investitionstätigkeit und internationale Marktstrukturen.

Abbildung 2: „K-Formation“ – robustes Wachstum, gedrückte Verbraucherstimmung

Fazit: Weniger Schlagwort, mehr Differenzierung

KI ist ein tiefgreifender wirtschaftlicher Transformationsfaktor. Für Anleger stellt sich weniger die Frage, ob KI relevant ist, sondern wo sie langfristig Wert schafft. In einer Marktphase, in der die Spreizung zwischen Gewinnern und Verlierern wächst, sind drei Grundprinzipien entscheidend:

Thematische Exposition: Chancen entstehen dort, wo Geschäftsmodelle KI produktiv integrieren und operationalisieren können.

Selektive Diversifikation: Eine gezielte Streuung über Regionen, Sektoren und Ertragsquellen hilft, strukturelle KI‑Potenziale zu erschließen und Risiken zu mitigieren.

Bewertungsdisziplin: Langfristige Ertragschancen entstehen an der Schnittstelle aus soliden Fundamentaldaten und angemessenen Bewertungen. Tiefe Analyse bleibt dabei das zentrale Instrument.

KI wird Märkte in den kommenden Jahren prägen – jedoch nicht pauschal und nicht linear. Die Fähigkeit, echte Wertschöpfung von überhöhten Erwartungen zu unterscheiden, wird zur entscheidenden Kompetenz für professionelle Anleger.

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Stand, soweit nicht anders angegeben, April 2026 MK17505