Seit Jahren lautet eine oft gehörte Formel für Investmenteinsteigerinnen und-einsteiger in die langfristige Kapitalanlage: „Nimm doch einfach einen globalen ETF auf den MSCI World". Überzeugende Rendite und geringe Kosten sprächen dafür – so war lange in Medien und auch von Verbraucherschützern zu hören. Und in Zeiten, in denen zunehmend KI-Anwendungen, die auf großen Sprachmodellen wie Chat GPT basieren, eingesetzt werden, wird dieser „Informationsstand“ als vermeintlich aktuelles Wissen immer weiter reproduziert und transportiert. Menschen, die sich auf die KI-genierten Auskünfte verlassen, folgen womöglich noch immer diesen vereinfachenden Empfehlungen.

2025: Ernüchternde globale Renditen im Euro-Depot?

Spätestens im letzten Jahr wurde allerdings klar: Einfach ist gar nichts mehr. Während US-Anlegende mit einem MSCI World-Investment für 2025 immer auf etwa 18 % Rendite blickten, sind es für Anlegerinnen und Anleger hierzulande nur bescheidenere 6% Jahresrendite. Das macht ein simpler Vergleich des MSCI World mit seiner Wertentwicklung in US-Dollar gegenüber der Wertentwicklung in Euro deutlich (siehe Grafik). Da die üblichen Produkt Factsheets mit dem Referenzindikator MSCI World oft vom US-Dollar als Basiswährung ausgehen, werden dort die höheren Werte für die Wertentwicklung des Anlageproduktes angegeben. In einem in Euro bewerteten Depot kommt allerdings nur die geringere Rendite an.

Kalenderjährliche Kursentwicklung MSCI World in US-Dollar und Euro (Grafik zum Download verfügbar)

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Quelle: LSEG Datastream, Dezember 2025. *Daten bis 30.11.2025. Indexwertentwicklung zur Illustration des Währungseinflusses. In Indizes kann nicht unmittelbar investiert werden. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Entwicklungen.

Systematische Dollar-Schwächung könnte fortbestehen

Hintergrund für diese große Diskrepanz ist die unterjährige Abwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro (und anderen Währungen). Mehr als 11% büßte der Dollar an Wert für Euro-Anlegerinnen und -Anleger ein (siehe Grafik unten). Ein Aktienanteil oder eine Anleihe, die in US-Dollar gehandelt werden und anfangs 2025 noch 100 Euro Wert waren, würden Ende des Jahres also nur noch rund 89 Euro einbringen – und das ohne, dass sich ihr Kurs verändert hätte.

US-Dollar-Wechselkurs zum Euro: 2025 wichtiger Rendite-Faktor (Grafik zum Download verfügbar)

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Quelle: Statista / finanzen.net, Monatswerte bis November 2025, Stand: 3.12.2025. Darstellung: FFB.

Die Aussichten für 2026 könnten eine weitere Dollarschwächung erwarten lassen. Ausdrücklich gehört ein schwächerer US-Dollar jedenfalls zu den wirtschaftspolitischen Zielen der Trump-Administration (Mar-a-Lago-Papier).

Und mit der Neubesetzung an der Spitze der Fed im Frühjahr dürfte der Einfluss der Regierung auf die Entscheidungen der Zentralbank weiter steigen. Ihre Zinspolitik ist einer der entscheidenden Hebel zur Veränderung des globalen Währungsgefüges.

Fortschreitende Dollar-Schwächung? Auswege für globale Investments

Anlegerinnen und Anleger, deren Depotwert auch hinsichtlich globaler Investments letztlich auf Euro lautet, haben im Prinzip zwei Möglichkeiten, die Auswirkungen eines weiteren US-Dollarverfalls auf den Wert ihres Depots zu vermindern.

  1. An US-Dollar-Investments höhere Renditeerwartungen stellen. Wer eine mögliche weitere Dollarabwertung in die eigenen Anlageentscheidungen einbeziehen möchte, kann von Investments im US-Dollar-Raum höhere Anforderungen an deren Rendite stellen als an vergleichbare Investments ohne Währungsrisiko. Am Beispiel von Anleihen, die bis zur Endfälligkeit gehalten werden, ist das sehr einfach erklärt. Deren Rendite ist beim Kauf bekannt, da Kupon und Kurs zum Kaufzeitpunkt feststehen. US-Dollar-Anleihen müssen dann eben mehr Rendite bringen als im Risiko vergleichbare Anleihen in Euro, um den erwarteten Währungsnachteil auszugleichen. Bei anderen Werten wie etwa Aktien ist das systematisch gleich, wenngleich mehr unvorhersehbare Einflussfaktoren bestehen.
  2. Währungsexponierung gegenüber dem US-Dollar absichern. Der zweite Weg ist die Absicherung gegenüber dem Währungsrisiko von Investments. Hierzu werden Derivate genutzt, mit denen die negativen Auswirkungen einer Dollar-Abschwächung weitgehend aufgehoben werden. Jede Absicherung durch ein solches Hedging ist aber mit gewissen laufenden Kosten verbunden, durch die die Rendite geschmälert wird.

Produktlösungen mithilfe von Fonds und ETFs

Anleger und Anlegerinnen können sowohl aktiv gemanagten Fondslösungen als auch ETFs wählen. Aktive Fondsmanager haben die Möglichkeit, in Ihren Fonds die Titel in ihren Aktien-, Anleihen-, Multi-Asset- oder Fonds anderer Kategorien so zu selektieren, dass die Rendite in Euro optimiert wird. Der einfache Kauf einer Euro-Anteilklasse eines ursprünglich in US-Dollar denominierten Fonds reicht nicht aus – hierbei findet lediglich eine Währungsumrechnung statt.

Währungsabsicherung durch gehedgte Fonds bzw. ETFs

Eine Absicherung gegenüber dem Währungsrisiko ist in der Regel durch ein „hedged“ im Produktnamen erkennbar. Durch die systematische Absicherung kann auch beim Einsatz von einfachen, passiven ETFs das Währungsrisiko im Anlageportfolio weitgehend eliminiert werden.

Alles in Betracht ziehen und sich gut informieren

Die Kapitalanlage in globale Aktien ist angesichts der Investment- und Vorsorgeziele vieler Anlegerinnen und Anleger aus deren Anlageportfolios nicht wegzudenken. Doch „Einfach-und-Billig-Lösungen“ in Form von schlichten, passiven ETF-Produkten ohne professionelle Beratung könnten in den nächsten Jahren immer wieder enttäuschen oder vielleicht sogar frustrieren. Nicht zuletzt angesichts zunehmend turbulenter Währungsmärkte ist eine besonnene Betrachtung aller Möglichkeiten ratsam. Wer sich dies selbst zutraut, kann sich mit der Wahl der richtigen Fonds und ETFs sowie der Möglichkeit der Währungsabsicherung gut aufstellen. Wer lieber auf die Erfahrung von Experten setzt, dem kann ein Finanzberatender bei der Portfolio-Optimierung seines Depots helfen.

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