Zinsdeckel, Exportauflagen, industriepolitische Vorgaben: Die US-Administration greift immer stärker in die Wirtschaft ein. Für Investoren stellt sich die Frage, wie groß das politische Risiko im Jahr der Midterm-Wahlen in den USA noch wird.

Die US-Wirtschaftspolitik steht endgültig im Fokus der Kapitalmärkte. So schlug Präsident Donald Trump kürzlich vor, die Zinsen für Kreditkarten gesetzlich auf zehn Prozent zu begrenzen.1 Für private Haushalte wäre das ein Segen, für große Banken beträfe der Eingriff jedoch unmittelbar einen besonders margenstarken Geschäftsbereich. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie sehr regulatorische Eingriffe Geschäftsmodelle treffen können.

Die aktuelle US-Administration galt lange als wachstumsfreundlich und eher marktliberal. Deregulierung sollte Risikoanlagen stützen. Die zugrunde liegende Annahme war: Bei allem politischen Lärm sind lockere Spielregeln für Unternehmen hilfreich. 

Doch inzwischen greift der Präsident zusehends ins Marktgeschehen ein. Das Kreditkartengeschäft, die Hypothekenfinanzierung, das institutionelle Immobilieninvestment und die großen Technologiekonzerne – sie alle sehen sich politischen Eingriffen gegenüber2, während Exportauflagen und industriepolitische Vorgaben den operativen Spielraum einschränken. Ein weiteres Beispiel: Bereits im Vorjahr kündigte die Regierung an, Exportlizenzen für bestimmte KI-Halbleiter nach China an Umsatzbeteiligungen zu knüpfen3, um die Staatskasse zu füllen. 

Im November finden in den USA die Midterm-Wahlen statt. Für Präsident Trump geht es dabei um die Mehrheit im Kongress, denn diese bestimmt maßgeblich, wie handlungsfähig er in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit bleibt. Kreditkosten, Wohnraum und Energiepreise stehen derweil im Zentrum einer innenpolitischen Debatte um „Affordability“, also der Frage, was sich die US-Haushalte noch leisten können.4 Staatliche Eingriffe sollen helfen, die Bürgerinnen und Bürger des Landes zu entlasten.

Solche kurzfristigen Maßnahmen erhöhen das unternehmerische Risiko in Märkten, die bislang als vergleichsweise liberal galten. Für Unternehmen bedeutet dies Unsicherheit bei Investitionen, Preisgestaltung und strategischer Ausrichtung. Damit rückt für Investorinnen und Investoren nicht nur die Konjunktur, sondern auch die politische Entscheidungslogik in den Fokus.

Fragiles Vertrauen als tragende Säule
Auch in den Chefetagen vieler US-Unternehmen ist das wachsende politische Risiko inzwischen präsent. Eine internationale Umfrage unter Risiko- und Compliance-Verantwortlichen aus dem Herbst 2025 zeigt: Politische Einflussnahme zählt man dort inzwischen zu den drei größten Herausforderungen fürs Geschäft.5 97 Prozent der Befragten berichteten von konkreten Auswirkungen, 40 Prozent stuften diese als „signifikant“ ein. Politische Entscheidungen werden somit zu einem operativen Faktor. Auch die Abwertung des US-Dollars sendet Signale. Die Schwäche der Weltleitwährung kann jedenfalls auch als Hinweis darauf gewertet werden, dass das Vertrauen in die Berechenbarkeit der US-Wirtschaftspolitik schwindet.6

An den US-Börsen ist es dagegen bislang auffällig ruhig geblieben, wobei der Optimismus weiterhin überwiegt. Das Morgan Stanley Global Investment Committee erwartet, dass sich der bereits seit drei Jahren andauernde Bullenmarkt 2026 fortsetzt. Gleichzeitig warnen Expertinnen und Experten jedoch vor steigenden politischen und geopolitischen Risiken durch die US-Administration. Auch bei US-Unternehmensanleihen hat sich noch keine politische Risikoprämie aufgebaut. Im Investment-Grade-Bereich liegen die Aufschläge im Gegenteil im Bereich mehrjähriger Tiefstände.7

Das wachsende Misstrauen gegenüber stabilen politischen Rahmenbedingungen hat die Wall Street also noch nicht erreicht. Zwischen steigender unternehmerischer Vorsicht und anhaltender Gelassenheit an den Kapitalmärkten klafft jedoch eine immer größere Lücke.

Fazit
Die US-Regierung greift zunehmend direkter in Geschäftsmodelle ein: mit Handelsbeschränkungen, regulatorischen Brüchen, neuen industriepolitischen Vorgaben und wahlkampftaktischen Maßnahmen. Für Anlegerinnen und Anleger rückt damit neben der Konjunktur auch die politische Handlungslogik selbst ins Zentrum der Analyse. Wer US-Risiken bewertet, tut gut daran, Wirtschaftspolitik als aktiven Marktfaktor zu betrachten und nicht mehr nur als Hintergrundrauschen.

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