Behandelte Themen:
Demografie

Die wachsende Weltbevölkerung, die immer größere Mittelschicht und die steigende Lebenserwartung der Menschen bieten neue Investment-Chancen. Saurabh Sharma, Investmentdirektor bei Fidelity International, erklärt, wie planbar die demografischen Trends in den kommenden Jahrzehnten auf die Märkte einwirken werden.

Aussagen über künftige Entwicklungen sind meist mit einer entscheidenden Unsicherheit behaftet: Es weiß schlicht niemand, ob die Vermutungen sich auch als wahr erweisen werden – oder ob am Ende doch alles völlig anders kommt. Prognosen über die demografische Entwicklung der kommenden Jahre und Jahrzehnte jedoch sind keineswegs ungewiss. Denn erstens lässt sich die langfristige Bevölkerungsentwicklung präzise hochrechnen aus dem, was wir heute wissen, da sich etwa bei der Lebenserwartung und den Geburtenraten stabile Trends abzeichnen. Zweitens sind viele der Menschen, über deren künftige Einkommensentwicklung, Konsumgewohnheiten und medizinische Versorgung wir heute Hochrechnungen anstellen, bereits geboren, viele Eckdaten sind also bekannt. Auch das erhöht die Sicherheit der Prognose.

Mit anderen Worten: Demografie ist ein äußerst gut vorhersehbarer Megatrend. Unternehmen, die sich mit ihrem Geschäftsmodell heute darauf einstellen und die demografischen Trends zum zentralen Faktor ihrer Ertragskraft machen, können in den kommenden Jahren besonders stark von den Entwicklungen profitieren. Und Investoren, die diese Unternehmen identifizieren, können an dem nachhaltigen Wachstum der kommenden Jahre und Jahrzehnte partizipieren. Dabei stehen aus Investorensicht drei große Trends im Fokus:


Bevölkerungswachstum

Experten von UNO und OECD rechnen damit1, dass die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 auf 9,1 Milliarden Menschen ansteigen wird. Das erhöht die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, die vorhandenen Ressourcen werden knapper, und damit werden Produktivitätssteigerungen in vielen Industrien notwendig. So wird nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO der Lebensmittelbedarf bis zum Jahr 2050 weltweit um 70 Prozent steigen, in den Entwicklungsländern wird er sich gegenüber heute sogar verdoppeln. Der Wasserbedarf wird nach den Prognosen im selben Zeitraum um 55 Prozent steigen, der Energiebedarf gar um 80 Prozent.2 Unternehmen, die sich auf Infrastrukturprojekte, Wasserwirtschaft oder Rohstoffabbau konzentrieren, können Gewinn aus dieser Entwicklung schöpfen.


Wachsende Mittelschicht

Bereits ab 2020 wird nach den aktuellen Vorhersagen des Entwicklungszentrums der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zum ersten Mal die Mehrheit der Weltbevölkerung der neuen globalen Mittelschicht angehören.3 Diese Menschen sind in der Lage, ein vergleichsweise komfortables Leben zu führen. Sie – oder jedenfalls ihre Kinder – werden höhere Bildung erfahren können, Kultur- und Reiseangebote nutzen, einen geordneten Beruf ausüben, zumindest passabel wohnen und sich immer mehr mit ihrer Gesundheitsversorgung und Alterssicherung beschäftigen. Die Konsumausgaben der weltweiten neuen Mittelschicht werden nach OECD-Schätzungen von heute 35 Billionen US-Dollar auf 64 Billionen US-Dollar anwachsen. In der Asien-Pazifik-Region steigt der Wohlstand besonders dynamisch. Das verschafft global agierenden Konsumgüterherstellern, der Luxusindustrie, Anbietern höherwertiger Finanzdienstleistungen und E-Commerce-Unternehmen einen immensen Nachfrage-Schub, vor allem, wenn sie sich den Regionen zuwenden, in denen sich die Mittelschicht besonders schnell ausweitet. Gerade in den Schwellenländern werden sich dadurch Lebensstil und Verhaltensweisen nachhaltig verändern. Zudem wird neben dem Konsum die Vermögensbildung eine immer größere Rolle spielen, und auch Frauen nehmen immer aktiver am Wirtschaftsleben teil. Aus all dem entstehen neue Investment-Chancen.
 

So wächst der weltweite Wohlstand

Geschätzte Konsumausgaben der Mittelschicht von 2015 bis 2030 in Billionen USD.

 
-

Quelle: Fidelity International, Brookings. OECD Entwicklungszentrum, 2017.

Alternde Bevölkerung

Die Weltbevölkerung wird in den kommenden Jahrzehnten so stark altern wie noch nie.4 So verdoppelt sich nach UN-Berechnungen der Anteil der Über-65-Jährigen von 8 Prozent im Jahr 2015 auf 16 Prozent im Jahr 2050. Wenn heutige Berufstätige im Jahr 2050 in den Ruhestand gehen, werden sie also eine Lücke hinterlassen. Denn der demografische Wandel sorgt dafür, dass weniger Arbeitnehmer nachrücken, um künftige Ruheständler zu ersetzen. Eine Konsequenz: Die Gesundheitsausgaben werden steigen, denn ältere Menschen werden häufiger krank, leiden öfters an chronischen Krankheiten und an Schwersterkrankungen. Um die steigenden Gesundheitsausgaben zu begrenzen, müssen Behandlungsmethoden immer effizienter werden, beispielsweise durch Automatisierung, Telemedizin und künstliche Intelligenz. Auch die Nachfrage nach Dienstleistungen und neuen Techniken für Altenpflege, Ruhestands- und Freizeitplanung wird stark steigen. Gesundheitsversorger, Pharmaunternehmen, Medizintechniker oder auch Kosmetikproduzenten können die Gewinner dieser Trends sein.
 

Die Bevölkerung altert so stark wie noch nie

-

Quelle: Fidelity International, Vereinte Nationen, 2017

1 Quelle: Fidelity International, Aussichten der Vereinten Nationen für die Weltbevölkerung 2017

2 Quelle: National Intelligence Council: Global Trends: Alternative Worlds, 2012, OECD, 2012, Bevölkerungsinstitut, Forbes, 2018

3 Quelle: OECD, 2017

4 Quelle : UN, Juni 2017

Das könnte Sie auch interessieren

Auslandsreisen verboten: Chinesische Touristen geben mehr Geld im...

Nach dem Wiedererwachen der chinesischen Wirtschaft aus dem Lockdown gewinn...


Hyomi Jie

Hyomi Jie

Portfolio Manager, Fidelity China Consumer Fund

Alter, Wohlstand, Gesundheit: Die drei Investment-Chancen der dem...

Die wachsende Weltbevölkerung, die immer größere Mittelschicht und die stei...


Fidelity

Fidelity

Research team

Babyboomer gehen in Rente

Keiner Generation in Deutschland geht es besser als den heute 55- bis 65-Jä...


Fidelity

Fidelity

Research team