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Energie unter Spannung: Der Nahost-Konflikt treibt die Ölpreise

James Trafford

James Trafford - Analyst and Portfolio Manager

Die jüngste Eskalation im Nahen Osten belastet die globalen Energiemärkte spürbar. Die Ölpreise steigen deutlich, weil reale Angebotsengpässe zunehmen. Unser Analyst und Portfolio Manager James Trafford erläutert, was das für Energieunternehmen, die Märkte und die weitere Preisentwicklung bedeutet.

Die Ölpreise sind deutlich gestiegen, weil der Konflikt im Nahen Osten zunehmend die Versorgung und den weltweiten Ölfluss beeinträchtigt. Was zunächst wie ein rein geopolitischer Schock aussah, zeigt sich nun klar in den Preisen der Energiemärkte. Fidelity‑Analyst und Portfolio Manager James Trafford erklärt die Gründe für die jüngsten Marktbewegungen und die Auswirkungen auf Energieunternehmen und den Gesamtmarkt.

Kernaussagen

  • Die Ölpreise reagieren inzwischen stärker auf tatsächliche Angebotsausfälle. Exportbeschränkungen und sinkende Produktion verknappen den Markt spürbar – geopolitische Risiken sind nicht mehr der einzige Preistreiber.
  • Die Folgen wirken über den kurzfristigen Zeitraum hinaus. Der Markt geht zunehmend davon aus, dass die Störungen länger anhalten und dass es Zeit braucht, um die Lagerbestände wieder aufzufüllen.
  • Energieaktien halten mit den steigenden Spotpreisen nicht Schritt. Bleiben die höheren Preise über die Terminmärkte hinweg bestehen, könnte das die Gewinnerwartungen der Unternehmen zunehmend verbessern.

Die Ölmärkte befinden sich in einer deutlich angespannten Phase, da sich der Nahost-Konflikt verschärft und die physischen Störungen immer sichtbarer werden. Die Straße von Hormus ist faktisch geschlossen und in Teilen des Nahen Ostens wurde die Produktion zurückgefahren. Hier sind mehrere Raffinerien und LNG‑Anlagen beeinträchtigt. Dadurch verengt sich die kurzfristige Rohölversorgung deutlich und zum ersten Mal reagieren auch länger laufende Kontrakte.

Der Brent‑Preis für die Lieferung in einem Monat stieg am Montag, den 9. März, auf über 118 US‑Dollar pro Barrel. Am Freitag lag er noch bei 93 US‑Dollar und Ende Februar bei 72,50 US‑Dollar. Dieser Anstieg markiert den Übergang von einer geopolitischen Risikoprämie hin zu einem zunehmend physischen Angebotsschock.

Auch die Form der Terminstruktur ist aufschlussreich. Bisher konzentrierten sich die Bewegungen auf die kurzfristigen Laufzeiten, die unmittelbar das Verhältnis von Angebot und Nachfrage widerspiegeln. Das deutete auf eine vorübergehende Störung hin. Inzwischen steigen jedoch auch länger datierte Kontrakte. Brent (zur Lieferung in sechs Monaten) ist von 75 auf über 85 US‑Dollar gestiegen und der Zwölf‑Monats‑Kontrakt kletterte von 71 auf über 75 US‑Dollar. Laufzeiten über zwei Jahre bleiben hingegen stabil im hohen 60‑US‑Dollar‑Bereich.

Diese Unterschiede haben drei Ursachen. Erstens wird der Spotmarkt enger, weil Exportwege blockiert bleiben und die Lager in Förderländern zunehmend gefüllt sind. Zweitens bewerten Anleger die mögliche Dauer der Störung neu und sehen eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen länger anhaltenden Konflikt. Drittens führt die temporär reduzierte Produktion dazu, dass Lagerbestände sinken und selbst bei einer schnellen Rückkehr zur Normalität Zeit bräuchten, um wieder aufgebaut zu werden.

Ausweitung der Störungen

Die USA haben angeboten, Schiffe durch die Straße von Hormus zu eskortieren und möglicherweise Versicherungsrisiken abzusichern. Allerdings geht der Markt nicht von kurzfristig wirksamen Lösungen aus.

Da Transportmöglichkeiten fehlen, sind die lokalen Lager fast ausgelastet und Produzenten müssen die Förderung drosseln. Der Irak hat rund 1,5 Millionen Barrel pro Tag vom Netz genommen, insbesondere in Rumaila und West Qurna II. 

Auch die VAE haben ihre Produktion reduziert und Kuwait hat die Exporte eingeschränkt. Saudi-Arabien produziert unter seiner Kapazität und kann nur begrenzt auf den Hafen Yanbu am Roten Meer ausweichen.

Auch jenseits der Rohölförderung gibt es massive Einschränkungen. Die LNG-Anlage Ras Laffan in Katar, die etwa 10 Milliarden Kubikfuß pro Tag liefert, ist außer Betrieb. Israelische Offshore-Gasfelder haben ebenfalls die Produktion eingestellt. LNG lässt sich nur begrenzt umleiten. Deshalb steigen die Gaspreise noch schneller als die Ölpreise. Selbst nach einer Wiederöffnung benötigen LNG-Anlagen Wochen, um wieder voll ausgelastet zu sein.

Raffinerien im Golfraum arbeiten teilweise mit reduzierter Auslastung oder stehen komplett still. Das senkt die kurzfristige Rohölverarbeitung, aber führt zu knapperen Beständen an Diesel und Kerosin. Die Preise für diese Produkte steigen schneller als der Rohölpreis, was die Margen der Raffinerien erhöht.

Marktausblick

Der Markt reagiert wie in einer klassischen Angebotsschocksituation. Wenn die Straße von Hormus geschlossen bleibt und die Produktionskürzungen bestehen, dürfte der Aufwärtsdruck auf die Preise anhalten. Zusätzlich unterstützt ein Lagerabbau die Preise in mittleren Laufzeiten.

Selbst bei einer schnellen Entspannung würde die Normalisierung Zeit benötigen, da Logistik und Lagerbestände erst stabilisiert werden müssen. Langfristig bleiben die Preise stabil. Das verdeutlicht, dass Anleger die Störung als schwer, aber nicht strukturell dauerhaft einschätzen.

Die Dauer der Blockade bleibt entscheidend: Eine glaubhafte Wiederöffnung mit staatlicher Versicherungsunterstützung könnte kurzfristige Preise rasch senken. Eine längere Störung hingegen würde zu dauerhaft höheren Preisen führen.

Reaktion der Energieaktien

Energieaktien reagieren bislang deutlich verhaltener als der Ölpreis. Der Grund: Die Bewertungen der Unternehmen orientieren sich stärker an langfristigen Preisniveaus als an kurzfristigen Ausschlägen.
Da die langfristigen Ölkontrakte weiterhin nur im Bereich von rund 60 US‑Dollar liegen, fällt die Kursbewegung der Aktien bisher moderat aus. Sollten jedoch die Preise für mittlere Laufzeiten dauerhaft höher bleiben, könnten sich die erwarteten Cashflows für 2026 verbessern – was die Aktienkurse unterstützen würde.
Unternehmen mit robusten Bilanzen, breit aufgestellten Geschäftsmodellen und einer starken internationalen Präsenz sind in diesem Umfeld im Vorteil. 

Fazit

Der Markt bewertet Risiken inzwischen weniger nach geopolitischen Schlagzeilen, sondern stärker nach tatsächlichen Angebotsstörungen. Ob daraus ein dauerhaft verändertes Angebotsumfeld entsteht, hängt maßgeblich davon ab, wie lange die Blockade anhält und wie sich der Konflikt weiterentwickelt.

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Stand, soweit nicht anders angegeben: März 2026. MK17464