2022 beginnt, womit das alte Jahr endete: einem neuen Dreh an der Preisschraube. Direkt zum 1. Januar erhöhte sich der CO2-Preis auf 30 Euro pro Tonne.

Seitdem die große Koalition das Brennstoffemissionshandelsgesetz erließ, müssen Unternehmen für jede Tonne CO2 zahlen, die sie emittieren, zumindest, wenn dabei fossile Brennstoffe im Spiel sind. Doch auch Kunden an der Zapfsäule merken den Unterschied, denn die Mehrkosten werden hier direkt an den Verbraucher weitergegeben. Pro Liter Benzin sind 8,4 Cent mehr fällig, für Dieselfahrer sogar 9,5 Cent mehr. 

Nicht nur der Sprit wird immer teurer. Die Energiepreise sind insgesamt massiv gestiegen: Der Gaspreis stieg 2021 fast um ein Drittel, Heizöl ist rund 40 Prozent teurer geworden und der Strompreis erreichte ein Allzeithoch. Diese Preisentwicklung befeuerte auch die Inflationsrate, die im Dezember auf satte 5,3 Prozent kletterte. 

Inflationsbild optisch beruhigt

Nun fragen sich viele, wie lange dieser Auftrieb noch anhält. Die schlechte Nachricht: In Bezug auf die Energiepreise ist die Antwort ernüchternd, 2022 bringt vermutlich keine Erleichterung. Die Lage dürfte sich sogar noch verschärfen, zumal Unternehmen weltweit ihre Produktion hochfahren. Leere Gasspeicher in Deutschland, die über den Sommer 2021 nicht vollständig aufgefüllt wurden, tragen ihr Übriges dazu bei. Folglich steigen die Großhandelspreise für Strom und Erdgas weiter an. 

Anders verhält es sich mit der Inflation. Der massive Preisauftrieb der vergangenen Monate wird sich in dem Maße kaum fortsetzen, vielmehr zeichnet sich ein optisch ruhigeres Inflationsbild ab. Das ist aber keineswegs ein Zeichen der Entspannung an der Preisfront. Vielmehr fallen im Januar lediglich Basiseffekte aus der Inflationsgleichung heraus. Der erste ist ein pandemischer: Im zweiten Halbjahr 2020 hatte die Bunderegierung die Mehrwertsteuer zeitweise abgesenkt. Da der Verbraucherindex immer im Vergleich zum Vorjahreswert berechnet wird, wurden die Waren im zweiten Halbjahr 2021 damit automatisch teurer. Anders gesagt: Das künstlich abgesenkte Preisniveau von 2020 verzerrte über das Jahr 2021 die Inflationsrate.  Nachdem die Basiseffekte nun aus der Gleichung verschwinden, fallen die Inflationszahlen ab Januar wieder niedriger aus. 

Im Laufe des Jahres wird dann noch ein zweiter Basiseffekt hinzukommen – nämlich der deutliche Preisanstieg der vergangenen Monate. Auch er bremst die relative Preisentwicklung, weil ab dem Herbst die schon deutlich erhöhten Preise des Vorjahres die neue Basis für die Inflationsberechnung sind. Einfaches Beispiel: Steigt der Preis für ein Kilo Äpfel im ersten Jahr von 2 Euro auf 2,20 Euro, und im Jahr darauf dann auf 2,40 Euro, dann hat der Preis zwar zwei Jahre in Folge um denselben Betrag zugelegt. Die Inflation aber lag im ersten Jahr bei 10 Prozent, im zweiten Jahr wegen des Basiseffekts bei nur noch 9 Prozent. 

Sinkende Inflationszahlen sind also noch kein Zeichen für ein Ende des Preisauftriebs. Sondern erst mal das Ergebnis purer Mathematik. Und wie die unterschiedlichen Preistreiber sich auf jeden Einzelnen auswirken – Stichwort „gefühlte Inflation“ –, steht ohnehin auf einem anderen Blatt. 

Fazit

Im Jahr 2022 wird das Leben teurer. Steigende Energiepreise haben nach wie vor maßgeblichen Einfluss auf die Inflationsrate. Und selbst wenn die Teuerungsrate optisch in den Sinkflug gehen sollte, bleibt die Inflation ein treuer und teurer Begleiter. Anleger sollten sich vorbereiten und ihr Portfolio dagegen wappnen. Investments in Realwerte wie Aktien, Rohstoffe und Gold oder in inflationsindexierte Anleihen können helfen, das Kapital gegen die gar nicht mehr so schleichende Entwertung zu immunisieren. 

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