Der Ölmarkt steht unter Druck, obwohl das Angebot groß ist. Doch im Persischen Golf entscheidet sich gerade, was von der Produktion anderswo ankommt und zu welchem Preis. Diese Unsicherheit stärkt kurzfristig auch den US-Dollar.
Noch zu Beginn des Jahres erwarteten viele Analysten einen entspannten Ölmarkt. Angesichts steigender Fördermengen und verhaltener Nachfrage war gar von einer möglichen „Ölschwemme“ die Rede, welche die Preise deutlich unter Druck setzen könnte. Auch die internationale Energieorganisation rechnete für 2026 mit einem spürbaren Angebotsüberschuss1. Die Eskalation im Persischen Golf stellt diese Einschätzung jedoch früh infrage. Nicht weil es an Öl mangelt, sondern weil dessen Transport unsicher geworden ist. Der Nahost-Konflikt trifft einen der empfindlichsten Punkte des globalen Energiesystems: die Transportwege.
Im Zentrum steht die Straße von Hormus. Etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls kommt durch die Meerenge zwischen Iran und Oman2 zu den Verbrauchern. Der Seeweg ist derzeit blockiert, beziehungsweise wird vom Iran kontrolliert: Einige Tanker können weiterhin passieren, oft nach diplomatischer Abstimmung. Andere stauen sich vor der Passage3. Versicherer haben bereits die Risikoaufschläge erhöht, alternative Routen werden geprüft. Entscheidend ist nicht mehr allein, wie viel Öl gefördert wird. Sondern ob und zu welchen Kosten es die Absatzmärkte erreicht.
Damit verschiebt sich der Fokus vom Angebot auf die Logistik. Der Mechanismus erinnert mehr an die Suezkrise von 1956 als an die Ölkrisen der 1970er Jahre. Das Problem liegt nicht auf den Ölfeldern, sondern auf den Seewegen.
Vom Transportproblem zum Preistreiber
Das logistische Problem entfaltete rasch seine Wirkung. Unsichere Transportwege verteuern den Handel und erhöhen das Risiko von Lieferverzögerungen. All das schlägt sich unmittelbar in den Preisen nieder: Der Ölpreis ist in der Folge zeitweise deutlich über die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel gestiegen4.
Die Auswirkungen treffen Volkswirtschaften derzeit unterschiedlich stark. Europa und viele asiatische Länder sind in hohem Maß auf Energieimporte angewiesen und abhängig von stabilen Lieferketten. Die USA gelten aufgrund eigener Förderung und hoher strategischer Reserven als weniger exponiert. Auch hier reagiert man aber sensibel –denn die steigenden Ölpreise machen auch vor den US-Grenzen nicht halt. Die Freigabe strategischer Reserven zeigt zudem, dass auch in den USA die Versorgungssicherheit in den Fokus rückt5.
Höhere Energiepreise verteuern Transporte, Industrieproduktion sowie die Konsumgüterherstellung und belasten somit große Teile der Wirtschaft unmittelbar. Entsprechend gerieten zuletzt auch Aktienmärkte unter Druck, da steigende Kosten die Gewinnperspektiven vieler Unternehmen verschlechtern. Auffällig ist, wie sehr auch Kapitalflüsse auf diese Verschiebung reagieren. Während Mittel aus US-Aktien abgezogen werden, fließt Kapital verstärkt in Energie- und Agrarrohstoffe6.
Auch auf dem Währungsmarkt entfaltet das eine neue Dynamik. So gewann der US-Dollar zuletzt wieder an Stärke7. Denn weil Rohöl weltweit überwiegend in Dollar gehandelt wird, erhöhen steigende Energiepreise auch die Nachfrage nach der amerikanischen Währung. Der Konflikt im Persischen Golf hat damit einen Trend ausgebremst, den viele Anleger noch zu Jahresbeginn erwartet hatten: eine strukturelle Abwertung des US-Dollars. Es spricht indes einiges dafür, dass es sich eher um eine krisenbedingte Gegenbewegung handelt als um eine strukturelle Trendwende8.
Fazit
Die akute Krise im Nahen Osten zeigt, dass nicht mehr so sehr Angebot und Nachfrage den Ölpreis bestimmen, sondern zunehmend die Sicherheit der Transportwege. Nicht die Ölförderung wird zum Engpass, sondern der Transport. Solange geopolitische Risiken entlang zentraler Seewege bestehen, dürfte dieses Logistikrisiko die Preisbildung am Ölmarkt maßgeblich prägen.
Quellen:
1 https://www.economist.com/finance-and-economics/2026/03/01/war-in-iran-could-cause-the-biggest-oil-shock-in-years
2 https://www.wiwo.de/technologie/wirtschaft-von-oben/strasse-von-hormus-oeltanker-und-containerschiffe-faelschen-positionsdaten-aus-angst-vor-iran-01/100206823.html
3 https://www.focus.de/politik/ausland/hormus-blockade-wer-mit-den-mullahs-spricht-darf-fahren_c7ee45ea-32b8-4522-a9a2-c2b7d02a9df7.html
4 https://www.t-online.de/heim-garten/aktuelles/id_101171926/oelpreise-stabil-ueber-100-dollar-die-wahrheit-sieht-duesterer-aus.html
5 https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/usa-freigabe-oelreserve-100.html
6 https://www.investing.com/news/stock-market-news/jpmorgan-reports-cautious-investor-flows-amid-iran-conflict-escalation-93CH-4565427
7 https://www.boerse-online.de/nachrichten/fonds/der-dollar-wird-immer-staerker-das-sind-die-folgen-fuer-anleger-20397243.html
8 Roemhelds Research Report vom 10. März 2026
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