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Januar 2024: Risikofreude zum Jahresstart

Fidelity

Fidelity - Research team

In Kürze:

  • Das makroökomische Umfeld spricht für eine risikofreudigere Asset-Allokation; Aktien bleiben übergewichtet. 
  • Einige Positionen im Credit-Bereich wurden abgebaut und Gewinne mitgenommen, da die Spreads enger werden. 
  • Die höheren Zinsen und ihre Auswirkungen trüben die mittelfristigen Aussichten, sodass wir das Wachstum 2024 aufmerksam beobachten werden.
  • Regionen wie Indien, Indonesien, Brasilien, Korea und Taiwan bieten selektive Chancen für Outperformance.  

Makroökonomisch befinden wir uns noch immer in der Spätphase eines konjunkturellen Aufwärtszyklus. Die Wirtschaft beweist weiterhin Resilienz und verzeichnet ein relativ robustes Wachstum – das gilt insbesondere für die USA. Die Inflation befindet sich noch immer im Sinkflug. Derweil normalisiert sich der Arbeitsmarkt und das positive reale Lohnwachstum stützt den Konsum. Ersparnisse, die Verbraucher während der Pandemie angehäuft haben, sind allerdings größtenteils aufgebraucht. Wie lange sich der derzeitige Zyklus fortsetzt, wird entscheidend vom künftigen Verbraucherverhalten abhängen. 

Die quantitativen Modelle von Fidelity rechtfertigen eine risikofreudigere Asset-Allokation. Gestützt wird eine solche Positionierung durch technische Faktoren. Positive Signale kommen auch von der US-Notenbank, die sich inzwischen für einen gemäßigteren Kurs entschieden hat, was sowohl Aktien und auch Anleihen beflügelte. Inzwischen wird das Szenario einer sanften wirtschaftlichen Landung am Markt zunehmend zum Konsens.  

Risse werden sichtbarer 

Trotz des günstigen makroökonomischen Umfelds behalten wir die systemischen Auswirkungen der straffen Geldpolitik auch im Jahr 2024 genau im Blick. Denn Unternehmen müssen sich zu höheren Zinssätzen refinanzieren. Bei risikobehafteten Firmenkrediten, privaten Schuldtiteln außerhalb des Bankensektors und Gewerbeimmobilien zeigen sich Risse, die für Herausforderungen sorgen könnten. Zahlungsausfälle und Verzögerungen sind von einem niedrigen Niveau ausgehend bereits leicht angestiegen. 

Da die Spreads (Risikoaufschläge) zunehmend schmaler werden und in vielen Segmenten Jahrestiefstände erreichten, haben wir begonnen, Gewinne aus unseren Credit-Positionen zu realisieren. Die Erwartung einer sanften Landung ist gleichzeitig auch ein Risikofaktor. Denn die Veröffentlichung von Daten, die diesem Narrativ widersprechen, können leicht Schwankungen nach sich ziehen. Vor dem Hintergrund der Wachstums- und Inflationsdynamik bevorzugen wir aus taktischen Gründen Aktien gegenüber Anleihen. Um das Portfolio gegen positive Korrelation von Aktien und Anleihen zu wappnen, nutzen wir den US-Dollar zur Diversifizierung.

Grafik 1: Veränderung der Asset-Allokation in den vergangenen Monaten 

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Legende: Aktien, Credit (IG-Unternehmensanleihen, Hochzinsanleihen und Schwellenländeranleihen), Staatsanleihen, Barmittel

Aktien: USA über Europa 

Wie halten an unserer Übergewichtung von Aktien fest. Das gilt insbesondere für US-Titel, da die Wirtschaftsdaten und Unternehmensgewinne trotz langsamer Abkühlung robust bleiben. Im Vergleich zu anderen Zentralbanken hat die Federal Reserve besonders klarer signalisiert, dass im Jahr 2024 sinkende Zinsen zu erwarten sind. 

Übergewichtet bleib wir auch in Großbritannien, da sich die Rezessionssorgen dort verflüchtigen und Bewertungen attraktiv sind. Der Fokus liegt auf Large-Cap-Titeln, die von ihrem internationalen Engagement profitieren. In Resteuropa deuten die Wirtschaftsaktivitäten auf eine Rezession hin, weswegen wir die Region untergewichtet haben. Lichtblicke beobachten wir hier jedoch in den Sektoren Industrie und Materialien, wo die Bewertungen attraktiver erscheinen. 

Neutral bleiben wir in Japan und in Schwellenländern aufgestellt. Das Land der aufgehenden Sonne wurde von der Realität eingeholt; wirtschaftliche Überraschungen blieben zuletzt aus. Künftig könnte es hier zu Gewinnmitnahmen kommen. Derweil belastet Chinas enttäuschende Erholung die Emerging Markets, die zudem unter Auswirkungen des Dollarzyklus und schrumpfender globaler Liquidität leiden. Gleichzeitig bieten einzelne Region selektive Chancen im Aktiensegment. In Indien, Brasilien und Indonesien sind die Wachstumsaussichten positiv, während die Inflation harmloser erscheint als in entwickelten Ländern. Taiwan und Korea werden durch einen sich verbessernden Halbleiterzyklus und KI-getriebene Investitionen unterstützt.

Unsere Untergewichtung des asiatisch-pazifischen Raums beruht vor allem auf den schwachen wirtschaftlichen Aktivitäten und Umfragedaten vieler Regionen. Als besonderen Risikofaktor haben wir Australiens fragilen Immobiliensektor identifiziert. 

Grafik 2: Asset Allokation im Bereich Aktien nach Regionen 

Asset allokation im bereich aktien nach regionen

Legende: 
Horizontal: View = Aktuelle Gewichtung, Change = Veränderung im Vergleich zum Vormonat.
Vertikal: USA, Europa (ohne Großbritannien), Großbritannien, Japan, Schwellenländer, pazifischer Raum (ohne Japan)

Anleihen: Es bleibt kompliziert 

Wir haben uns entschieden, das Credit-Segment auf Untergewichtung herabzustufen. Denn die jüngste Risiko-Rallye führte dazu, dass die Spreads zunehmend enger geworden sind. Die makroökonomischen Daten mögen derzeit zwar auf eine sanfte Landung hindeuten, doch positive Nachrichten sind bereits vom Markt eingepreist. Obwohl die Fundamentaldaten noch solide aussehen und wir aktuell neutral positioniert sind, dürften die hohen Zinsen bald einen Tribut fordern. Deshalb werden wir innerhalb des Segments den Bereich globaler Hochzinsanleihen wahrscheinlich im nächsten Schritt untergewichten.

Grafik 3: Positionierung im Credit-Segment 

Credit

Legende: 
Horizontal: View = Aktuelle Gewichtung, Change = Veränderung im Vergleich zum Vormonat
Vertikal: Investment-Grade-Anleihen, Globale Hochzinsanleihen, Schuldtitel aus Schwellenländern 

Grafik 4: Positionierung bei Staatsanleihen

Government bonds

Legende: 
Horizontal: View = Aktuelle Gewichtung, Change = Veränderung im Vergleich zum Vormonat
Vertikal: US-Staatsanleihen, Euro-Staatsanleihen, UK-Gilts, Japanische Staatsanleihen, Inflationsindexierte Anleihen (US-TIPS)

Im Bereich Staatsanleihen bleiben wir neutral aufgestellt. Bei US-Treasuries halten wir an unserer Untergewichtung fest, obwohl die jüngste Bond-Rallye nach dem Kurswechsel der Fed Ausstiegsmöglichkeiten bot. Da die Inflation noch immer nicht vom Tisch ist, sollte der Markt höhere Inflationsrisikoaufschläge einpreisen. Inflationsindexierte Anleihen (US-TIPS) bleiben darum im Portfolio übergewichtet. UK-Gilts haben wir hingegen von übergewichtet auf neutral herabgestuft, da die britische Wirtschaft widerstandsfähiger ist als erwartet. Die im Vergleich zu anderen Regionen zähe Inflation macht Zinssenkungen durch die Bank of England unwahrscheinlich. Japanische Staatsanleihen bleiben untergewichtet, denn die Bank of Japan steuert eine Normalisierung ihrer Zinspolitik an, sodass der Abschied von Negativzinsen im Jahr 2024 plausibel erscheint.

Fazit

Das robuste Wirtschaftswachstum in den USA, verbesserte Inflationsaussichten und die gemäßigte Geldpolitik der großen Zentralbanken machen risikoreichere Anlagen attraktiver. Folglich bleibt der Aktienanteil im Portfolio übergewichtet. Aufgrund der zunehmenden Einengung von Credit-Spreads wurden einige Positionen im Anleihebereich reduziert und Gewinne mitgenommen. Schwellenländer wie Indien, Indonesien, Brasilien, Korea und Taiwan bieten weiterhin selektive Chancen für eine Outperformance. 

PIA48